Monat: Mai 2019

Atme ein. Atme aus. Erinnere Dich, wer du bist.

Du trägst ein sehr wertvolles Hilfsmittel für deine Achtsamkeitspraxis bereits in dir. Möchtest Du wissen was das ist? Es ist dein Atem. Er begleitet dich täglich, indem er einfach durch dich hindurch fließt und dich somit am Leben erhält. Er wird auch als „Sitz des Lebens“ oder „Prana“ = Lebensenergie bezeichnet. Ein Mensch atmet 12 bis 15 Mal in der Minute, indem sich der Brustkorb hebt und senkt und die Lungen mit dem Atem gefüllt und wieder geleert werden. Das sind durchschnittlich acht Liter Luft, die pro Minute durch deinen Körper fließen.

Kinder atmen ganz natürlich in den Bauch. Wenn wir erwachsen werden und im schnelllebigen und oft hektischen Alltag gefangen sind, beginnen wir zur Brustatmung zu neigen. Oft wird dazu auch der Bauch eingezogen, möglicherweise in dem meist unbewussten Wunsch, nicht an den „dicken Bauch“ erinnert zu werden.

In Situationen in denen wir gestresst oder beunruhigt sind, atmen wir stockend, flach und unregelmäßig. Dies ist charakteristisch für Stresszustände und ein Zeichen davon, dass wir stärkere körperliche und psychische Belastung haben. Das Blut erhält dadurch nicht genügend Sauerstoffsättigung.

Die Atmungsorgane sind dafür verantwortlich, unseren Körper mit Sauerstoff zu versorgen und das beim Stoffwechsel entstandene Kohlendioxid wieder auszuscheiden.

Einatmen durch die Nase verhindert, dass Staub- und Schmutzteilchen, Keime und Krankheitserreger in den Körper eindringen. Sie hat die Aufgabe, die eingeatmete Luft durch Härchen und Schleimhäute zu filtern und anzufeuchten. Weiterhin bringt die Nasenatmung den Atemluftstrom immer auf Körpertemperatur, bevor der die Lunge erreicht.  Das Stickstoffmonoxid wird automatisch in die Lungen transportiert, der Körper regeneriert besser und unser Schlaf ist qualitativ hochwertiger.

Die Nasenatmung aktiviert das parasympathische Nervensystem. Dieser Teil des vegetativen Nervensystems ist für die Entspannung und Regeneration verantwortlich und fördert Stressabbau.

Wusstest du, dass jeder Mensch einen ganz natürlichen Nasenzyklus hat? Im Laufe des Tages wechseln die Schwellungen deiner Nasenschleimhäute. Entweder sind die Schleimhäute der linken Nasenseite angeschwollen und vermehren den Lufteinzug auf der rechten Seite oder umgekehrt. Du atmest also entweder mehr durch die linke oder mehr durch die rechte Nasenseite. Wenn die Atmung gerade vermehrt durch die rechte Nasenseite stattfindet, ist deine rechte Gehirnhälfte aktiver und hilft dir beim rationalen Entscheiden und analytischen Denken. Wenn die Atmung dann vermehrt durch die linke Nasenseite stattfindet, ist deine linke Gehirnhälfte aktiver. Dies regt deine Kreativität an und fördert deine Intuition.

Eine natürliche Atmung erkannt man an einer entspannten Einatmung, einer passiven Ausatmung und einer Pause vor der nächstfolgenden Einatmung.

Der Atem ist das, was uns am tiefsten mit dem Leben verbindet: Wer atmet, der lebt.

Im Yoga spielt die Atmung eine besondere Rolle. Die Yoga-Atmung wird Pranayama genannt. Prana heißt Lebensenergie, Yama heißt Steuerung. Du kannst also durch Pranayama im Yoga deine Lebensenergie steuern. Die Atemübungen sind vorbeugend gegen Erkältungen, sie lösen Energieblockaden und öffnen deine Chakren. Das sind die Energiezentren in deinem Körper. Mit bewusster Atmung kannst du deinen Gemütszustand beeinflussen. Sie wird dir helfen, deine Konzentrationsfähigkeit zu steigern und innere Stärke zu erlangen.

Die Atmung istein automatischer Vorgang, der keiner Steuerung durch unser Bewusstsein bedarf. Deshalb schenken wir unserem Atemrhythmus im Alltag kaum Beachtung.

Bei der folgenden, kurzen Achtsamkeitsübung wird die Wahrnehmung bewusst auf die Atmung gelenkt.

Durch die Zwerchfellatmung kann der Körper mehr Atemluft aufnehmen und es wird weniger Energie verbraucht. Der Blutdruck wird gesenkt und die Verdauung durch die Massage der Eingeweide gefördert.

Durch die Nase einatmen und spüren, wie die Luft in die Lunge strömt, sich das Zwerchfell regelmäßig hebt und senkt. Dabei bewusst in den Bauchraum atmen. Beim Ausatmen durch den Mund die Lunge vollständig entleeren, damit Platz geschaffen wird für frische Luft und neuen Sauerstoff.

Achtsam zu sein bedeutet, Bewertungen sein zu lassen und sich auf das zu konzentrieren, was gerade außerhalb der Gedanken ist. Eine einfache Übung dazu ist, sich auf den Atem zu konzentrieren und dadurch Distanz zu den Gedanken zu schaffen.

Atme ein. Atme aus. Erinnere dich, wer du bist.

Heute möchte ich dir zwei Atemübungen mit auf den Weg geben, die du leicht in deinen Alltag einbauen kannst. Du kannst sie zwischendurch ausüben, in deine Morgen- oder Abendroutine einplanen oder sie bei deiner Meditationseinheit üben.

 

Wechselatmung

Diese Atemübung kannst du bei Nervosität, Schlaflosigkeit und emotionalen Spannungen durchführen. Sie sorgt dafür, dass die Energie ungehindert durch deinen Körper fließen kann, und dein Geist klar und friedlich wird.

Finde einen für dich bequemen Sitz, bei dem dein Atem frei fließen kann. Dein Zeige- und Mittelfinger deiner rechten Hand klappst du ein, den Daumen, Ring- und kleinen Finger streckst du aus. Nun bringst du die rechte Hand zu deiner Nase und legst den Daumen auf deinem rechten Nasenflügel ab. Atme tief ein und aus, und schließe dann das rechte Nasenloch mit deinem Daumen. Atme nun links 2 Sekunden ein und schließe dann mit deinem Ringfinger das linke Nasenloch. Halte nun die Luft für 8 Sekunden an. Öffne das rechte Nasenloch, atme 4 Sekunden lang aus. Rechts 2 Sekunden einatmen, 8 Sekunden halten, links 4 Sekunden ausatmen. Dies kannst du mehrere Runden lang üben, um in einen meditativen Zustand zu gelangen.

 

Yogische Vollatmung

Diese Atmung ermöglicht es dir, deine volle Atemkapazität auszuschöpfen. Hierbei werden Flanken- und Lungenspitzatmung miteinander verbunden. Bitte führe diese Atemübung bewusst aus, denn es wird dafür eine große Flexibilität deiner Rippen und Rippenzwischenmuskeln benötigt.

Komme in einen aufrechten und bequemen Sitz. Lege eine Hand auf deine Bauchdecke und verbinde dich somit mit deiner ruhigen, tiefen Bauchatmung. Entspanne deinen Atem, so dass er ganz sanft und fließend wird. Lege deine zweite Hand auf dein Dekolleté, unterhalb deines Schlüsselbeins. Spüre die Verbindung zu deinem Brustkorb, wie er sich mit jedem Atemzug hebt und wieder senkt. Lasse deinen Atem noch tiefer entspannen und beginne dann, deinen Einatem ganz bewusst erst nach unten in Richtung Bauch, dann in die Flanken und schließlich nach oben unter die Schlüsselbeine fließen zu lassen. Bei der nächsten Ausatmung lässt du die Luft aus allen drei Bereichen gleichzeitig ausströmen, bis du das Gefühl hast, dass du ganz leer bist. Bleib ruhig und gelassen, und lasse den Atem aufmerksam fließen. Solltest du nicht mehr entspannt atmen können, beende die Übung und fahre ein anderes Mal damit fort.

 

Durch achtsame Atemübungen fokussierst du dich auf dich selbst. Du verbindest dich mit deinem Ursprung. Mit dem wer du bist, mit deiner Essenz, deinem Sein. Erinnere dich, was du in dir trägst und dass du alles was du brauchst, bereits da ist. Was war, bevor Gedanken- und Verhaltensmuster dich geprägt haben? Hole dir diese Erinnerungen zurück. Beginne, zu spüren und zu vertiefen. Beginne, dies zu genießen. Dich zu geniessen!

 

Breathe in. Breathe out.

 

 

Achtsamkeits-Impuls des Monats / Abendrituale

Was denkst du – was passiert, wenn du alle Reize, Eindrücke, Sorgen und anstrengenden Momente des Tages abends mit ins Bett nimmst? Richtig. Sehr wahrscheinlich hast du dann eine unruhige Nacht. Deine Gedanken hören nicht auf in Bewegung zu sein, schlängeln sich unaufhaltsam durch deinen Kopf. Du liegst im Bett herum, schaust immer wieder auf die Uhr und kannst nicht einschlafen. Wenn du es dann geschafft hast die Augen zu schließen und einzuschlafen, reagiert dein Körper mit wälzen, schwitzen, rastlos sein. Vielleicht nimmst du deiner nächtlichen Begleitung den Platz weg, legst dich auf deine Katze die dich daraufhin ärgerlich anknurrt oder du wachst morgens mit den Füßen am Kopfteil deines Bettes auf 🙂 Und selbst wenn die Anzeichen für eine unruhige Nacht nicht ganz so heftig waren, so kann es durchaus sein, dass du morgens das Gefühl hast, du wärst die ganze Nacht wach gewesen. Dies wirkt sich dann wiederum auf deinen Aufwachmoment aus und zieht sich womöglich durch deinen gesamten Tag. Wie ich euch im letzten Blogbeitrag schon mitgeteilt habe, können wir neben Positivspiralen auch Negativspiralen erschaffen. Und das funktioniert manchmal schneller als uns bewusst ist.

Wie wäre es also wenn du ein kleines, persönliches Abendritual einführst? Zeit für dich alleine. Zum abschalten, runterkommen, ganz Du selbst sein. Eine Sache die dir hilft, die Erlebnisse des Tages beiseite zu schieben, dich zu sortieren, eine Verbindung zu deinem Körper aufzubauen. Ins Fühlen zu kommen. Raus aus dem automatischen Prozess des Tages, raus aus dem rationalen Denken. Rein in die Stille, die Ruhe in Dir. Rein in deine Mitte.  Dorthin wo du deine Energie bündelst, dorthin wo du die Möglichkeit hast, dich zu sammeln. An einen Platz, der gehegt und gepflegt werden möchte. Der angeschaut und beobachtet werden möchte. Ein Platz, an dem die Sonne scheinen darf. Und selbst wenn momentan ein paar graue Regenwolken oder Nebel die Sicht versperren, oder ein kalter Wind weht, so ist es doch möglich wieder Licht hineinzubringen. Ein Licht, eine Wärme, die dir Sicherheit gibt. Die dich auftanken lässt.

Selbst wenn es im Außen turbulent wird, so darfst du im Inneren ganz ruhig bleiben.

Vielleicht hast du jetzt schon ein Bild im Kopf, von diesem wunderbaren Ort. Und du fragst dich, wie du es schaffen kannst, dorthin zu gelangen und dauerhaft Kraft aus diesem Ort zu schöpfen.

Zunächst möchte ich dir noch ein paar Vorteile aufzeigen, die es langfristig mit sich bringen wird, wenn du dich um deinen ganz persönlichen Kraftort kümmerst.

Sicherlich weißt du, wie wichtig es ist einen Ausgleich zu unserem oft schnelllebigen Alltag zu schaffen. Möglichkeiten zu finden, Blutdruck, Puls und Gedanken runterzufahren. Dies wird dich langfristig zu mehr Gelassenheit im Umgang mit stressigen Situationen bringen. Du kannst lernen, den Moment und dich selbst besser wahrzunehmen. Du kannst lernen, dem Ruheort in dir mehr Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu schenken, indem du dich bewusst mit deinem Körper verbindest. Das wird dir helfen, lange körperlich und geistig fit zu bleiben. Gesunde Rituale bringen Ordnung, Ruhe und Klarheit in dein Leben, sie verbessern deine Lebensqualität.

Einige Dinge tun wir bereits jeden Tag, ohne groß darüber nachzudenken. Essen, Arbeiten und schlafen zum Beispiel. Ebenso können wir uns aneignen, gesunde Auszeiten zu nehmen, ohne irgendwann mehr groß darüber nachdenken zu müssen.

Reduziere die Zeit, in der du dich ablenken lässt.

Ein Ritual ist eine gesunde Gewohnheit für deine Seele. Es gibt deiner Seele eine Heimat. Gesunde Gewohnheiten für dein Denken, Fühlen, Wollen und Entscheiden. Rituale geben dir Sicherheit, weil sie dir nach einiger Zeit vertraut sind. Geh auf Entdeckungstour – sei gespannt auf ein Abenteuer. Entdecke und pflege neue Gewohnheiten und erfahre eine neue, bunte Welt! Alltagsrituale können auch bei psychosomatischen Krankheiten eine wichtige Rolle spielen. Denn sie steigern deine Achtsamkeit und führen dazu, dass du eine innere Ausgeglichenheit entwickelst.

Heute möchte ich dir fünf kleine Abendrituale vorstellen, die du in wenigen Minuten deiner wertvollen Zeit am Abend vor dem Schlafengehen einbauen kannst.

Nimm dir nicht zu viel vor. Für den Anfang genügt es, wenn du mit einer Kleinigkeit anfängst und diese regelmäßig machst. Dabei ist egal, ob es einmal am Tag oder einmal in der Woche ist. Wichtig ist, sie zu wiederholen und dich wohl dabei zu fühlen. Dies sind deine persönlichen Auszeiten, die Spaß machen sollen. Die du genießen darfst. Ohne Druck und ohne Gefühl der Verpflichtung. Mach dich frei und sei ehrlich zu dir selbst. 

Gedanken loslassen

Finde ein schönes Notizbuch, dass du zu deinem 5-Minuten-Tagebuch machst. Richte dir vor dem Schlafengehen nur diese fünf Minuten ein, um etwas in dein Büchlein zu schreiben. Das können die Erlebnisse des Tages sein, die du reflektierst. Das können Gefühle sein, die über den Tag verteilt bemerkt hast. Das können fünf Minuten voller Dankbarkeit sein oder aber ein paar Zeilen zu deinen Zielen und Träumen. Sei kreativ! Spüre einfach mal rein, was da so kommt, ohne groß darüber nachzudenken. Du wirst überrascht sein.

Eine warme Tasse Tee trinken

Bereite dir eine warme Tasse deines Lieblingstees zu. Vielleicht warst du im Urlaub in einem sonnigen Land und hast dir einen leckere Teesorte mitgebracht. Oder ein lieber Mensch hat dir einen Tee geschenkt. Oder aber du nutzt die Zeit des frühen Abends um bewusst in das Teegeschäft deines Vertrauens zu gehen und dir deinen Lieblingstee auszusuchen. Einen Tee für deine eigene kleine Auszeit. Du könntest darauf achten dass dieser Tee biologisch angebaut wurde, und ein paar Zutaten enthält die du noch nie vorher ausprobiert hast. Trau dich! Sei mutig und genieße das kleine Abenteuer.

4-7-8 Atemtechnik

Positioniere deine Zunge so, dass die Zungenspitze den Gaumen gleich über den Vorderzähnen berührt. Die Zunge bleibt nun während der gesamten Übung dort liegen. Schließe deinen Mund und atme langsam durch die Nase ein. Zähle dabei im Kopf bis vier. Halte deinen Atem an und zähle im Kopf bis sieben. Atme nun hörbar durch den Mund aus und zähle dabei bis acht. Wiederhole die Atemübung vier Mal.

Entspannte Musik hören

Hörst du gerne Musik? Vielleicht magst du heute Abend Mal ein paar neuen Stücken lauschen. Wie wäre es mit klassischer Musik, zum Beispiel Pianomusik? Oder     Meditationsmusik? Musik ohne Text eignet sich hervorragend um Abends vor dem Einschlafen beim Stressabbau zu unterstützen. Deine Gedanken werden nicht mit weiteren Wortschnipseln konfrontiert sondern können zur Ruhe kommen. Atmung, Puls und Hirnaktivitäten fahren herunter und du kannst durch die Musik besser entspannen.

Ein gemütlicher Spaziergang an einem lauen Sommerabend

Hast du dich heute schon achtsam bewegt? Hast du mal darauf geachtet, wie dein Fuß den Erdboden berührt, ob deine Hüfte und dein Oberkörper in Leichtigkeit mitschwingen? Ob dein Rücken gerade ist oder ob deine Schultern nach vorne hängen? Schlüpf in deine Schuhe oder nutze den lauen Sommerabend um eine kleine Barfußrunde auf der nächstgelegenen Wiese zu laufen. Wie fühlt sich das Gras unter deinen Füßen an? Zeigt sich die Sonne noch am Himmel und schenkt dir ein paar warme Sonnenstrahlen? Nimm diese ganze Energie auf, und sei dankbar für das was die Natur dir schenkt.

Geh einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie warst. Und sei er in dir selbst.

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