Achtsamkeit • was das bedeutet & warum das so wichtig für dich ist.

Mind full oder Mindful? Schon kurz nach dem Aufstehen durchdenkst du deinen Tag. Du sitzt beim Frühstück und tippst auf deinem Smartphone herum oder denkst an all die Dinge, die du nach der Arbeit noch erledigen willst. Planst während des Tages wie deine Woche wird. Nach Feierabend hetzt du von hier nach dort. Und am Wochenende erledigst du all das wozu du unter der Woche nicht gekommen bist, bevor der Kreislauf am Montag morgen von vorne losgeht.

Unser Alltag. wir sind geprägt von Multitasking, hohen Erwartungshaltungen im privaten und beruflichen Bereich und vielen Reizen im Alltag. Die Digitalisierung schreitet weiter voran, Smartphones sind unser ständiger Begleiter.

Hast du schon einmal dein Handy vergessen, als du aus dem Haus gegangen bist? Wie hat sich das für dich angefühlt? Aus dem Außen werden mehr und mehr Anforderungen an uns gestellt – von Familie, Freunden, Arbeitskollegen, Chefs und allen Menschen um uns herum, denen wir tagtäglich so begegnen. Wir stellen Anforderungen an uns selbst, als seien die anderen noch nicht genug. Wir glauben wir schaffen viel, und immer noch ein bisschen mehr. „Nun stell dich doch mal nicht so an, Körper. Komm schon, noch ein Terminchen hier, noch ein Fitnesstraining dort.“ Am Wochenende erledigen wir dann alles was wir unter der Woche nicht geschafft haben. Sind ja nur zwei Tage bevor wir wieder los zur Arbeit müssen, die müssen wir doch ausnutzen. Termine und Deadlines sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. wir möchten sehr vieles auf einmal und das am besten sofort. Wir sind ungeduldig, mit uns selbst und mit anderen.

Beobachte zum Beispiel einmal eine Situation an der Supermarktkasse. Oder beim ein- und aussteigen aus einem Zug. Gespräche werden mehr und mehr vermieden, stattdessen schicken wir uns Text- oder Sprachnachrichten. Oft sitzen wir uns beim Essen gegenüber oder machen einen gemeinsamen Spaziergang und tippen hektisch auf unserem Smartphone herum. Wir nutzen unser Handy für Einkaufslisten, Terminabsprachen, Wegbeschreibungen, Beschaffung von Informationen und kommentieren, teilen, liken in den sozialen Netzwerken. Wir fahren an einen schönen Ort, um ein Foto für instagram zu machen. Das alles kommt dir bekannt vor?

Wie wäre es, wenn du an diesen Ort fahren würdest um ihn einfach zu genießen? Wenn du dir an diesem Ort ein ruhiges Plätzchen zum verweilen suchen würdest, um Farben, Geräusche und Gerüche aufmerksam aufzunehmen und diese Erfahrung mit deinem menschlichen oder tierischen Begleiter teilen würdest? Wann hast du dir das letzte Mal bewußt Zeit genommen, um ein offenes Gespräch mit einem guten Freund oder einer guten Freundin zu führen? Um ihm oder ihr wirklich aufmerksam zuzuhören?

Um Achtsamkeit in deinen Alltag einzubauen und ein Ritual daraus zu machen, bedarf es nicht viel. Du kannst dich zum Beispiel beim morgendlichen duschen auf das wärmende Wasser fokussieren, anstatt darüber nachzudenken was du am Tag noch so alles erledigen willst. Oder du achtest beim Frühstück auf den Geschmack und die Farben deines Essens und denkst nicht darüber nach, was du als nächstes auf den Einkaufszettel schreiben möchtest. In deiner Mitagspause könntest du einen Spaziergang machen, und dich für ein paar Minuten auf dich konzentrieren. Das sind kleine Dinge, die du schon in wenigen Minuten deines Tages umsetzen kannst.

Achtsamkeit heisst, sich bewusst zu entscheiden, nicht wertend in der Gegenwart zu sein.

Der Begriff Achtsamkeit beschreibt eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Deine volle Aufmerksamkeit. Es bedeutet im Hier und Jetzt zu sein, sowohl körperlich als auch mental. Im Moment verweilen, den Moment erleben. Dass du dir deiner Gedanken, Gefühle, Handlungen sowie deiner Umwelt, Gerüche und Farben in jedem Augenblick in der Gegenwart bewusst bist. Indem du dir selbst, deinem Gegenüber und der Umgebung um dich herum die ganze Aufmerksamkeit entgegen bringst, ohne zu bewerten.

Das kann dir helfen, deinen Alltag zu entschleunigen und ausgeglichener, entspannter und somit gesünder zu leben. Im Laufe unseres Lebens haben wir uns Denkmuster und Verhaltensweisen angeeignet. Diese lassen sich nicht von Heute auf Morgen verändern. Aber mit etwas Übung und kleinen Ritualen ist es möglich, uns wieder mehr auf uns zu fokussieren und so langfristig einen positiven Mehrwert für unser Leben zu erschaffen. Wir können lernen, wieder mehr auf uns zu achten, den Zustand unseres Körpers und auch unsere Emotionen zu betrachten. Wahrnehmen, ohne es zu bewerten. Durch das bewertungsfreie Beoachten der Gedanken verlieren die negativen Gedanken an Gwicht. Sie verändern sich. Wir können lernen, negative Gedanken nicht mehr auf uns selbst zu beziehen. oder auf andere Gedanken die aufkommen, die aber mit dem eigentlichen Konflikt gar nichts zu tun haben. Wir beschäftigen uns oft mit Sorgen, mit unserer Vergangenheit oder der Zukunft. Meist ist es dabei der Fall, dass wir auf einen Zustand hoffen, der uns zufriedener macht als der jetzige.

Durch Achtsamkeitstraining wirst du feststellen, dass deine Zufriedenheit nicht von äußeren Bedingungen abhängig ist, sondern durch dein Inneres gesteuert wird. Wenn du ein klares Verständnis davon hast, was du in deinem Leben möchtest, kannst du den Zugang zu deinem Inneren finden. Du kannst die Grenzen, die du dir selbst gesetzt hast, aufbrechen und dich für die Liebe öffnen. Dein klarer und stabiler Geist wird dich in stressigen Situationen und emotionaler Belastung besser begleiten können.

Du kannst selbstbestimmter Handeln, Grenzen setzen und eine bessere Balance finden. Negative Emotionen lassen sich sinnvoll verarbeiten und du kannst es sogar schaffen, deinen Schmerz in Stärke zu verwandeln. Ein Beispiel: stell dir vor du hast Angst vor einer Prüfung. Wenn du nun beginnst, diese Angst zu beobachten und nicht zu bewerten, anstatt dich von ihr leiten zu lassen, dann löst es keine Reaktion auf deinen Körper aus. Du kannst also durch Achtsamkeitstraining Stress in bestimmten Situationen vermeiden.

Achtsamkeit ist das ruhige und gelassene Wahrnehmen von allem was in unserem Gewahrsein auftaucht. Also auch schwierige Gedanken und Gefühle.

Ende der siebziger Jahre entwickelte Jon Kabat-Zinn eine Methode zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit, die MBSR-Methode (mindfulness based stress reduction). Diese Methode wurde wissenschaftlich erforscht und evaluiert. Die Erfolge waren so enorm, dass daraufhin die Stress-Reduction-Clinic in Massachusetts gegründet wurde, aus der Mitte der 90er das Institut für Achtsamkeit in Medizin, Gesundheitsvorsorge und Gesellschaft hervorging.

Jon Kabat-Zinn betrachtete die Zusammenhänge von Körper und Geist und konnte so Menschen mit chronischen Schmerzen und Störungen, die durch Stress entstanden sind, helfen. Es wurde erforscht, dass die MBSR-Methode auch Auswirkungen auf das Gehirn und das Immunsystem haben. Teilnehmer einer Studie berichten, dass sie sich von ihren Beschwerden besser abgrenzen konnten und sich diese spürbar verbessert haben. Sie sind resilienter geworden und lassen sich nicht mehr so schnell in Probleme verstricken. Das tägliche praktizieren von Achtsamkeit reduziert nachweislich Stress, Ängste und Depressionen. Blutdruck, Blutzuckerspiegel und Körpergewicht können sinken und die Hirnareale die für Aufmerksamkeit, Regulation von Emotionen, Gedächtnis und Körperwahrnehmung zuständig sind, verändern sich.

Das wichtigste Ziel der Achtsamkeitspraxis ist, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. 

Wenn du gehst, dann gehst du.

Wenn du isst, dann isst du.

Wenn du lachst, dann lachst du.

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